
Luxemburgs erste kommunale Musikschule
Abstract
Eine formale Musikausbildung für Frauen war in den 1820er Jahren ein kontroverses Thema. Dem französischen Beispiel folgend gründete Henri-Joseph Cornély (1786-1866) im Jahr 1823 eine erste private Musikschule in Luxemburg. Die französische Ausrichtung bestimmte ebenfalls die 1845 gegründete kommunale Musikschule, deren Direktor Cornély wurde. Mit der Gründung von Musikschulen und Konservatorien erhielten auch Frauen Zugang zu erschwinglichem Unterricht. Schon im ersten Jahr besuchten mehr Mädchen als Jungen den Solfège. Da Klavierunterricht für bürgerliche Töchter zum Erziehungsideal gehörte, entstand eine hohe Nachfrage nach Klavierlehrerinnen – ein Beruf, der Frauen aus ärmeren Schichten zugleich eine Möglichkeit zum eigenen Broterwerb bot.
1849 wurde die Schule zum »Musik-Conservatoire« aufgewertet, 1852 kam eine Bläserklasse hinzu – allerdings nur für Jungen. Aus Kostengründen wurde die Institution 1856 wieder zur einfacheren »Musikschule« zurückgestuft. Wegen internen Konflikten, öffentlicher Kontroversen und eines Gerichtsprozesses (siehe Roster 2026 im Anhang) beschloss der Gemeinderat 1882 schließlich die Schließung. Erst 1906 entstand – dank einer Stiftung von Eugénie Pescatore-Dutreux – das heutige Konservatorium neu.
Zwischen 1850 und 1882 arbeiteten insgesamt 13 Frauen an der Schule, überwiegend als schlechter bezahlte »Repetitorinnen« im Klavierfach. Eine der bekanntesten Musiklehrerinnen in Stadt Luxemburg, die ebenfalls privat Unterricht anbot, war die Komponistin Joséphine Schmoll (1836-1925), deren Partituren hier präsentiert werden; von MuGi.lu angeregte Neuaufnahmen sind in der Galerie MUSIK zu hören. Erst 1880 wurde mit der Sängerin Pauline Christmann (1848-1910) erstmals eine Frau als vollwertige »Professorin« eingestellt. Der oben genannte Gerichtsprozess betrifft eben diese Musikerin und Frauenrechtlerin. Auch andere Frauen ergriffen für sich selbst das Wort: erhaltene Briefe zeigen Bewerbungen, Beschwerden über Bezahlung oder Nichtzuerkennung von Posten und Petitionen um Pensionsansprüche.
In ihrem Beitrag (siehe Anhang) betont Danielle Roster die hervorragende Quellenlage: rund 85 Aktenordner im Stadtarchiv, ergänzt durch die Bulletins Communaux, Zeitungsartikel, Annoncen und private Briefe. Diese Materialfülle wird in mehreren thematischen »Galerien« präsentiert (u. a. Noten, Musik, Briefe, Arbeitgeber, Ökonomie, Preisverteilung, Kritik), die einzelne Musikerinnen – etwa die Komponistin Joséphine Schmoll oder die Geigerinnen Augustine Steinhardt und Marguerite Lassence – sichtbar machen. Zwei weitere Anhänge enthalten von Kenza Kiwy erstellte Listen der Schülerinnen und Lehrerinnen der ersten kommunalen Musikschule Luxemburgs.
Das Portal zeigt ein facettenreiches Bild einer frühen öffentlichen Musikausbildung, die Mädchen und Frauen trotz erheblicher struktureller Benachteiligung erstmals professionelle musikalische Laufbahnen ermöglichte – und liefert zugleich eine Fundgrube an bislang wenig bekannten Frauenbiografien der Luxemburger Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Luxemburgs erste kommunale Musikschule_Danielle Roster
Text, Auswahl der Quellen und Redaktion der Webseite: Danielle Roster
Aufbau digitales Archiv auf dem Portal: Danielle Roster und Kenza Kiwy
Onlinegang: Anne Schiltz
Das Portal »Luxemburgs erste kommunale Musikschule« wurde im Rahmen des von der Stadt Luxemburg geförderten Forschungs- und Vermittlungsprojektes Klangbilder der Stadt Luxemburg entwickelt.
Galerie (mehr Infos)
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Joséphine Schmoll: Jubelmarsch für Klavier
Julia Belova
Track 25, CD Julia Belova: Compositrices du XIe au XXIe siècle
© Banque de Luxembourg, Burlesque asbl o. J.
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Tatsiana Zelianko: Potpourri über Melodien von Joséphine Schmoll für Streichquintett
Kammerata Luxembourg (Sandrine Cantoreggi, Vio I; Cathy Heidt, Vio II; Susanne Martens, Bratsche; Cyprien Keiser, Cello; Choul-Won Pyun, Kontrabass)
© CNA Studioaufnahme Dezember 2026
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Tatsiana Zelianko: Rosenmär für Streichquinett (2015), eine Hommage an Joséphine Schmoll
Kammerata Luxembourg (Sandrine Cantoreggi, Vio I; Cathy Heidt, Vio II; Susanne Martens, Bratsche; Cyprien Keiser, Cello; Choul-Won Pyun, Kontrabass)
© CNA, Studioaufnahme Dezember 2025
Galerie (mehr Infos)
Kollektive Werkstatt Soundgardening.
Filmdokumentation Soundgardening. Produktion: Kinoshi Studio – Eric Lamhène. Regie: Morgane Verdin-Pol. Kamera: Rae Lyn Lee. Ton: Philippe Mergen. LUGA-Projekt, Juni 2025. Unterstützt von: Ministerium für Gleichstellung und Diversität und Centre national de l’audiovisuel.
Etappen der Wiederentdeckung.
Filmdokumentation Soundgardening. Produktion: Kinoshi Studio – Eric Lamhène. Regie: Morgane Verdin-Pol. Kamera: Rae Lyn Lee. Ton: Philippe Mergen. LUGA-Projekt, Juni 2025. Unterstützt von: Ministerium für Gleichstellung und Diversität und Centre national de l’audiovisuel.
Joséphine Schmoll.
Filmdokumentation Soundgardening. Produktion: Kinoshi Studio – Eric Lamhène. Regie: Morgane Verdin-Pol. Kamera: Rae Lyn Lee. Ton: Philippe Mergen. LUGA-Projekt, Juni 2025. Unterstützt von: Ministerium für Gleichstellung und Diversität und Centre national de l’audiovisuel.
Neues Arrangement in der Form eines Potpourris, mit zeitgenössischem Intermezzo.
Filmdokumentation Soundgardening. Produktion: Kinoshi Studio – Eric Lamhène. Regie: Morgane Verdin-Pol. Kamera: Rae Lyn Lee. Ton: Philippe Mergen. LUGA-Projekt, Juni 2025. Unterstützt von: Ministerium für Gleichstellung und Diversität und Centre national de l’audiovisuel.
Brücken bauen zwischen historischen und zeitgenössischen Komponistinnen.
Filmdokumentation Soundgardening. Produktion: Kinoshi Studio – Eric Lamhène. Regie: Morgane Verdin-Pol. Kamera: Rae Lyn Lee. Ton: Philippe Mergen. LUGA-Projekt, Juni 2025. Unterstützt von: Ministerium für Gleichstellung und Diversität und Centre national de l’audiovisuel.
Rückblick: Das Konzert Soundgardening am 8. Juni 2025 im Stadtpark Luxemburg.
Filmdokumentation Soundgardening. Produktion: Kinoshi Studio – Eric Lamhène. Regie: Morgane Verdin-Pol. Kamera: Rae Lyn Lee. Ton: Philippe Mergen. LUGA-Projekt, Juni 2025. Unterstützt von: Ministerium für Gleichstellung und Diversität und Centre national de l’audiovisuel.






























































































































































